Wir sind's!

Integration mitgestalten

Beratung für schwangere Geflüchtete und ihre Familien wird in 2018 fortgesetzt

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Diese Förderung ermöglicht uns seit Mai 2016 die Beratung und Unterstützung von schwangeren Geflüchteten und ihren Familien. Bis zum Ende des vergangenen Jahres nahmen 246 Frauen diese Möglichkeit wahr. Der häufigste Grund, unsere Beratungsstelle aufzusuchen, war die Absicherung existenzieller Grundbedürfnisse und die Beantragung einer finanziellen Hilfe aus der Bundesstiftung "Mutter und Kind - Schutz des ungeborenen Lebens". Im Erstgespräch wurden weitere Themenbereiche und Anliegen angesprochen.

Die Situation der Geflüchteten hat sich seit Projektbeginn verändert, viele leben bereits in einer Mietwohnung. Hier entfallen die gewohnten Unterstützungsangebote der Übergangswohneinrichtungen, die aber aufgrund der eingeschränkten sprachlichen Kenntnisse vieler Frauen weiterhin benötigt werden.  Es zeigte sich, dass Schwangere und Ratsuchende mit kleinen Kindern weniger die angebotenen Sprach- und Integrationskurse besuchen. Ihre Kontakte beschränken sich in der Regel eher auf vertraute familiäre Bezugspersonen mit muttersprachlichem Hintergrund. Der Rückzug  ist nach einer belasteten Flucht, dem Leben in einem fremden Kulturland und  schwierigen Unterkunftsbedingungen verständlich. Eine Schwangerschaft stellt die Frauen jedoch vor neue Herausforderungen. In den Beratungsgesprächen konnten für die Frauen wichtige Kontakt-und Anlaufstellen benannt und vermittelt werden, wie zum Beispiel Gynäkolog*innen, die die Muttersprache der Ratsuchenden beherrschen. Auch die Angebote der Frühberatungsstellen, Häuser der Familie und Mütterzentren in den Stadtteilen wurden als mögliche Anlaufstellen für die Frauen während der Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes vermittelt. Die Einrichtungen bieten zum Teil beliebte Sprachcafés an, in denen Flüchtlingsfrauen in einer ungezwungenen Atmosphäre ihre Deutschkenntnisse verbessern und Kontakte zu anderen Frauen mit Kindern knüpfen können. Auch unsere Kinder-Kleiderei und das Café NeLe sind  in diesem Zusammenhang zu nennen. Weiterhin erhielten die Ratsuchenden in den Beratungsgesprächen Informationen darüber, welche Angebote sie im Rahmen des Deutschen Gesundheitssystems wahrnehmen können. Hier sind insbesondere die Hebammenleistungen und Angebote der Entbindungskliniken zu nennen.

Ein weiterer Bedarf bestand in der Unterstützung hinsichtlich familienunterstützender Leistungen und der Erledigung von Formalitäten, Antragstellungen und Behördengängen. So wurden Hilfestellungen bei der Beantragung von einmaligen Beihilfen für das Job Center  gegeben oder Widersprüche ablehnender Bescheide formuliert. Auch beim Ausfüllen der Anträge auf Elterngeld und Kindergeld war Hilfe erforderlich.
Besonders hilfreich war die direkte Weitervermittlung an die im Projekt tätige Hebamme im Haus. Sehr belastete und  junge Geflüchtete, die ihr erstes Kind erwarteten, nahmen dieses Angebot gerne wahr. So entwickelten sich längerfristige Kontakte zu den Geflüchteten bis nach der Geburt. Die Ratsuchenden gewannen Vertrauen und konnten sich ihren Problemen und Fragen öffnen. Frauen, die beim Erstkontakt noch sehr verschlossen waren, sprachen im Laufe einer längerfristigen Betreuung ihre Ängste und traumatischen Erlebnisse an. Gemeinsam suchten Schwangerschaftsberaterinnen und Hebamme Wege, passgenaue Hilfen anzubieten und beispielsweise in therapeutische Hilfen zu vermitteln.

In diesem Jahr wird über die Einzelfallberatung hinaus ein Gruppenangebot stattfinden, in dem Themen wie Geburtsvorsorge, Entbindung, Ernährung und Entwicklung des Kindes und allgemein familienunterstützende Leistungen behandelt werden. Eine weitere Neuerung ist der Einsatz einer Erzieherin in den Übergangswohneinrichtungen des Caritasverbandes, um junge Frauen, die ihr erstes Kind bekommen haben, in der Versorgung des Kindes anzuleiten. Ihnen fehlt oftmals der gewohnte Familienzusammenhang und die Unterstützung der weiblichen, schon erfahreneren Familienmitglieder.
Die interdisziplinäre Arbeit der Schwangerschaftsberaterinnen, der Hebamme und der Sprachmittlerinnen erweist sich als sehr effektiv und ermöglicht, im Bedarfsfall bei komplexen Problemen tätig zu werden. Wir erleben eine rege Inanspruchnahme dieses passgenauen Angebotes und freuen uns sehr über die weitere Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

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