Muslimische Frauen

Austausch und Diskussion

Fortbildung für Ehrenamtliche

Fortbildung beim SkFFortbildung beim SkFKatharina Westphal, Kirchenbote

Einige Frauen gingen berührt und nachdenklich nach Hause, andere auch aufgebracht und viele mit Aha-Erlebnissen.

Da unsere ehrenamtlichen Angebote, Kinder-Kleiderei und Café NeLe, zunehmend auch von arabischen Frauen genutzt werden und die Ehrenamtlichen manche Beobachtung machen, die sie mit ihren eigenen Vorstellungen in Konflikt bringt, wünschten sie sich eine Schulung. Dabei geht es im Wesentlichen um die Rolle der Frau in Familie und Gesellschaft. In Deutschland hat seit den 1960er Jahren eine Entwicklung stattgefunden, die im Leben der meisten von uns eine wichtige Rolle spielt und hinter die wir nicht zurück wollen. Darum waren manche schockiert, dass Rania Enan, die zwei kleine Söhne hat, bezogen auf Sex vor der Ehe, Homosexualität oder die Eigenständigkeit von erwachsenen Kindern eine Position vertreten hat, die die meisten von uns so nicht mehr teilen.

Andere erkannten für sich, dass sie ihre Beobachtungen -ich stelle eine Frage an die Frau, der Mann antwortet. - Ein kleiner Junge futtert Bonbons in sich hinein und gibt den älteren Schwestern nichts ab; die Mutter lässt ihn. - Der Mann ignoriert meine zum Gruß ausgestreckte Hand - durchweg auf dem Hintergrund des Themas Gleichberechtigung deuten und eine Unterdrückung der Frau zu erkennen glauben. Frau Enan stellte uns andere Deutungsmöglichkeiten zur Verfügung: die Frau versteht und spricht noch kein Deutsch. Die Mutter verwöhnt ihr jüngstes Kind. Der Mann kommt aus einem Herkunftsgebiet, in dem das Hand geben zur Begrüßung grundsätzlich nicht üblich ist.

Frau Enan, die seit 2008 in Bremen lebt, vermittelte anhand vieler Beispiele, auch aus ihrer Anfangszeit in Deutschland, wie groß die Unsicherheit ist, die aus den unterschiedlichen kulturellen Gepflogenheiten resultiert, und wie schnell es zu Missverständnissen kommen kann. Wie leicht es dann geschieht, dass die ausländischen Frauen sich in ihre Familien und Kontakte mit Menschen der eigenen Herkunft zurückziehen, weil sie dort wissen, "wie man sich verhält" und weil sie sich dort ein wenig beheimatet fühlen. Als Psychologin richtete Frau Enan unsere Aufmerksamkeit auf das innere Erleben von Flüchtlingsfrauen und verhalf uns dadurch zu einem besseren Verständnis.

Neben Nachdenklichkeit hat sie auch Neugierde geweckt. Es gab Interesse am Unterricht in Arabisch, den der Arabische Frauenbund regelmäßig anbietet. Vor allem aber fand die Idee einer arabisch-deutschen Frauenparty großen Anklang, bei der frau sich einmal ganz anders kennen lernen kann. Dies wird unser nächstes Projekt sein.