Vortrag von Lea Ackermann

Lea Ackermann beim Vortrag in BremenLea Ackermann beim Vortrag in BremenFoto: Simone Lause

Im ersten Teil ihres Vortrages schlug Sr. Dr. Lea Ackermann einen großen Bogen von der Frauenrechtlerin Olymp de Gouges, die sich im 18. Jahrhundert gegen Sklaverei und für Menschenrechte und Frauenrechte einsetzte und deswegen schließlich hingerichtet wurde, über die Suffragetten, die für ihren Kampf für Frauenrechte ins Gefängnis kamen, bis hin zu dem Bremer Motto des diesjährigen Weltfrauentages "100 Jahre Wahlrecht - wagen, wägen, winnen". Sie benennt, dass der Anteil von Frauen im Deutschen Bundestag sich in dieser Legislaturperiode wieder auf 30,7 % verringert hat, während die Zahl seit 2002 höher war, und beschließt diesen Einstieg in das Thema mit der Feststellung "der Kampf ist nie vorbei".

Ihr Kampf hat insbesondere zum Ziel, Frauen zu stärken, die als Prostituierte am untersten Ende der sozialen Hierarchie rangieren. Ihr Entsetzen und ihre Empörung sind echt, wenn sie davon spricht, "dass Frauen in unserem Land wie Ware gehandelt werden". Für sie ist Zwangs- und Elendsprostitution "die letzte Bastion des Sklavenhandels". Sie berichtet von der Gründung des Vereins SOLWODI in Kenia und erzählt Beispiele, bei denen den Zuhörerinnen und Zuhörern der Atem stockt. Sie belässt es aber nicht bei der Schilderung des Elends und der Frauenverachtung, sondern lässt das Publikum auch teilhaben an ihrer Freude über gelungene Existenzgründungen, die den Frauen in Kenia eigenes Einkommen und Selbstbewusstsein gegeben haben.

Großen Auftrieb erfuhr sie bei der 3. Weltfrauenkonferenz 1985, bei der sie viele interessante Frauen kennen gelernt hat und bei der sie mit dem Konzept des Empowerment in Berührung kam, d. h. Ermächtigung für die eigenen Rechte einzustehen. Eine kontinuierliche Kraftquelle ist für sie ihr Glaube. Sie sieht jeden Menschen als Geschöpf Gottes und alle Menschen als Schwestern und Brüder. SOLWODI sei für sie ein großes Glaubensbekenntnis, sagt sie: den chancenlosen Kindern Gottes eine Chance geben. Sie erntet Lachen aus dem Publikum, als sie von ihrem "Deal mit Gott" erzählt: "Ich kümmere mich um deine chancenlosen Kinder - laß‘ Du mich bloß nicht hängen!". SOLWODI konnte nie über größere Summen verfügen, aber es ist immer irgendwie weitergegangen. Der Verein, 1985 in Kenia gegründet, hat inzwischen eine weltweite Verbreitung. Im Jahr 2017 haben sich in Deutschland 2500 Frauen aus 109 Nationen erstmalig an SOLWODI gewandt.

Zum Abschluss ihres Vortrages erzählt sie, ein Reporter habe sie anlässlich ihres 80. Geburtstages nach ihren Träumen gefragt. Ihre Antwort darauf: "Geträumt habe ich eigentlich nie. Ich sehe Unrecht und dann wird das angepackt."

Das Publikum beschäftigte sich im Anschluss insbesondere mit er Frage, ob ein Verbot von Prostitution nach schwedischem Vorbild der richtige Weg sei. Lea Ackermann hat dazu - inzwischen - eine eindeutige Position: "Keine Frau macht das freiwillig". Sie sammelt Unterschriften und wird diese der Familienministerin vorlegen.

Einige der Besucherinnen und Besucher trugen sich in die Unterschriftenliste ein, andere blätterten in den ausgelegten Büchern und ließen sich ein gekauftes Exemplar von Lea Ackermann signieren, viele diskutierten in kleinen Grüppchen noch lange weiter.